edu:connect LogoERSTGESPRÄCH
Abstraktes Gemälde mit Gesichtssilhouetten im Profil
edu:connect

STUDIEREN IM ZEITALTER DER KI

← Alle Beiträge// journal · 5. Oktober 2026

Studieren im Zeitalter der KI: Welche Studienrichtungen haben Zukunft?

Wird Künstliche Intelligenz meinen späteren Job übernehmen? Lohnt sich ein Studium überhaupt noch? Und welches Studium ist heute noch „zukunftssicher“?

Diese Fragen beschäftigen viele junge Menschen – und sie sind verständlich. Denn ChatGPT und andere KI-Systeme können mittlerweile Texte schreiben, programmieren, Daten analysieren, übersetzen, recherchieren und Präsentationen erstellen. Tätigkeiten also, für die bisher oft gut ausgebildete Akademiker:innen gebraucht wurden.

Die gute Nachricht: Ein Studium wird dadurch nicht überflüssig. Aber die Kriterien dafür, was ein „gutes“ Studium ist, verändern sich.

KI wird eher Aufgaben verändern als ganze Berufe abschaffen

Eine der interessantesten aktuellen Untersuchungen kommt von der International Labour Organization (ILO). Ihr Ergebnis ist deutlich weniger dramatisch als manche Schlagzeilen vermuten lassen.

Rund ein Viertel aller Arbeitsplätze weltweit ist in irgendeiner Form von generativer KI betroffen. In wohlhabenden Ländern liegt der Anteil höher. Gleichzeitig betont die ILO aber: Bei den meisten Berufen ist eine Veränderung der Arbeit wesentlich wahrscheinlicher als die vollständige Abschaffung des Berufs. (International Labour Organization)

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Eine Ärztin kann KI zur Analyse medizinischer Daten verwenden. Ein Ingenieur kann Berechnungen beschleunigen. Eine Juristin kann Dokumente voranalysieren lassen. Ein Psychologe kann KI bei administrativen Aufgaben einsetzen.

Die Technologie übernimmt bestimmte Tätigkeiten – aber nicht automatisch den gesamten Beruf.

Überraschend: Auch klassische „Top-Studien“ sind nicht automatisch sicher

Lange Zeit galten Informatik, Wirtschaft oder Finance als besonders sichere Studienentscheidungen. Gerade hier zeigt sich jedoch, wie schnell sich der Arbeitsmarkt verändern kann.

Aktuelle britische Daten zeigen beispielsweise einen deutlichen Rückgang klassischer Einstiegspositionen im Programmieren und in der Softwareentwicklung. Auch bei Economics- und Finance-Absolvent:innen verändert KI bestimmte typische Einstiegsaufgaben. (The Guardian)

Das bedeutet keineswegs, dass man Informatik nicht mehr studieren sollte. Ganz im Gegenteil: Technologiekenntnisse werden enorm wichtig bleiben. Aber ein Informatikstudium allein ist keine Garantie mehr für einen sicheren Karriereweg.

Wer Informatik mit Bereichen wie KI, Cybersecurity, Robotik, Medizin, Naturwissenschaften oder Wirtschaft verbindet, kann dagegen sehr interessante Profile entwickeln.

Der entscheidende Faktor ist zunehmend die Kombination von Fachwissen und KI-Kompetenz.

Welche Studienrichtungen haben derzeit besonders gute Perspektiven?

Es gibt kein Studium, das garantiert „KI-sicher“ ist. Trotzdem zeichnen sich einige Bereiche ab, in denen menschliche Fähigkeiten weiterhin besonders wichtig bleiben.

Medizin, Pflege und Gesundheitswissenschaften gehören dazu. KI wird Diagnostik und medizinische Forschung stark verändern. Gleichzeitig braucht es weiterhin Menschen, die Verantwortung übernehmen, mit Patient:innen kommunizieren, komplexe Entscheidungen treffen und behandeln.

Ingenieurwissenschaften bleiben ebenfalls interessant – etwa Elektrotechnik, Maschinenbau, Bauingenieurwesen, Umwelttechnik, Energietechnik oder Mechatronik. Gerade dort, wo digitales Wissen mit der realen Welt verbunden werden muss, kann KI unterstützen, aber den Menschen nicht einfach ersetzen.

Naturwissenschaften und Forschung gewinnen durch KI teilweise sogar neue Möglichkeiten. Biotechnologie, Chemie, Physik, Neurowissenschaften oder Life Sciences verbinden wissenschaftliches Verständnis mit neuen KI-gestützten Forschungsmethoden.

Psychologie, Bildung und soziale Berufe könnten ebenfalls wichtiger werden. Beratung, Motivation, Konfliktlösung, therapeutische Beziehungen und Unterricht bestehen nicht nur aus Informationsvermittlung. Sie beruhen wesentlich auf menschlicher Beziehung, Vertrauen und der Fähigkeit, Situationen individuell einzuschätzen. Auch der aktuelle Guardian-Beitrag über „AI-resistant degrees“ nennt Medizin, Pflege, Bildung, Forschung und Ingenieurwesen als Bereiche, in denen menschliche Fähigkeiten besonders schwer zu ersetzen sind. (The Guardian)

Und natürlich bleiben Informatik, Data Science, Artificial Intelligence und Cybersecurity wichtige Studienfelder. Allerdings sollte man heute nicht nur lernen, selbst Code zu produzieren. Wichtiger wird zu verstehen, wie Systeme funktionieren, wie Ergebnisse überprüft werden, welche Daten verwendet werden und wo die Grenzen und Risiken von KI liegen.

Vielleicht ist die beste Studienrichtung gar keine einzelne Studienrichtung

Die OECD kommt 2026 zu einem interessanten Ergebnis: Weniger als ein Prozent der Beschäftigten werden voraussichtlich hochspezialisierte KI-Fähigkeiten wie die Entwicklung von KI-Modellen benötigen.

Sehr viel mehr Menschen werden dagegen lernen müssen, KI sinnvoll anzuwenden, Daten zu verstehen und Ergebnisse kritisch zu beurteilen. Gleichzeitig bleiben Problemlösung, Kreativität, Innovationsfähigkeit und Managementkompetenzen wichtig. (OECD)

Die wahrscheinlich interessantesten Profile der Zukunft entstehen deshalb an Schnittstellen:
Psychologie + Datenanalyse.
Medizin + KI.
BWL + Data Science.
Rechtswissenschaften + Technologie.
Biologie + Bioinformatik.
Maschinenbau + Robotik.
Kommunikation + KI.
Design + digitale Technologien.

Das Fachwissen bleibt wichtig. Hinzu kommt die Fähigkeit, KI als Werkzeug zu verwenden.

Müssen Studentinnen besonders Angst vor KI haben?

Hier zeigen die Daten tatsächlich einen Unterschied zwischen Frauen und Männern.

Eine aktuelle ILO-Analyse von 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte in frauendominierten Berufsfeldern häufiger von generativer KI betroffen sind als Beschäftigte in männerdominierten Bereichen. Der Grund liegt vor allem darin, dass Frauen häufiger in administrativen, organisatorischen und unterstützenden Berufen arbeiten, bei denen viele Routineaufgaben automatisiert werden können. (International Labour Organization)

Das bedeutet aber nicht, dass Frauen schlechtere Zukunftsaussichten haben.

Im Gegenteil: Es ist ein Argument dafür, dass gerade Studentinnen früh Kompetenzen in Technologie, Datenanalyse und KI erwerben sollten – unabhängig davon, ob sie Psychologie, Jus, Medizin, BWL, Sprachen oder Sozialwissenschaften studieren.

KI-Kompetenz wird zunehmend zu einer Grundkompetenz – ähnlich wie digitale Kompetenz heute selbstverständlich ist.

Was Studierende jetzt wirklich lernen sollten

Die vielleicht größte Gefahr besteht deshalb nicht darin, das „falsche“ Fach zu studieren.

Problematischer wäre es, ein Studium so zu absolvieren, als hätte sich die Arbeitswelt nicht verändert.

Studierende sollten lernen, KI sinnvoll einzusetzen – aber gleichzeitig Fähigkeiten entwickeln, die KI nicht zuverlässig übernehmen kann: kritisch denken, gute Fragen stellen, Informationen überprüfen, Zusammenhänge verstehen, Entscheidungen begründen, mit Menschen kommunizieren und Verantwortung übernehmen.

Denn KI kann erstaunlich überzeugende Antworten produzieren und trotzdem falsch liegen. Genau deshalb wird die Fähigkeit, Ergebnisse zu beurteilen, möglicherweise wichtiger als die Fähigkeit, möglichst schnell Informationen zu produzieren.

Soll man wegen KI heute anders studieren?

Ja – aber man sollte nicht in Panik das vermeintlich „sicherste“ Studium suchen.

Niemand kann seriös sagen, wie der Arbeitsmarkt in zehn oder zwanzig Jahren genau aussehen wird. Technologien entwickeln sich dafür zu schnell.

Eine sinnvollere Frage lautet deshalb:

Welches Fach interessiert mich – und wie kann ich mich darin so qualifizieren, dass ich KI nutzen kann, statt mit ihr um Routineaufgaben zu konkurrieren?

Das könnte eine der wichtigsten Fragen der Studienwahl der kommenden Jahre werden.

Fazit

Künstliche Intelligenz macht ein Studium nicht wertlos. Sie verändert vielmehr, was einen gut ausgebildeten Menschen ausmacht.

Fachwissen bleibt wichtig. Doch dazu kommen KI-Kompetenz, kritisches Denken, Kreativität, Datenverständnis und soziale Fähigkeiten.

Die Zukunft gehört daher wahrscheinlich nicht den Menschen, die versuchen, schneller zu arbeiten als eine KI.

Sie gehört jenen, die wissen, was sie mit KI anfangen können – und was weiterhin menschliches Denken, Erfahrung und Verantwortung braucht.

← Zurück zur Übersicht
PERSÖNLICH & ONLINE

Servitenviertel, 1090 Wien.

Face-to-Face-Beratung in unserer Praxis oder flexibel online via Zoom.

Wir arbeiten europaweit, weltweit.

Unsere KundInnen befinden sich hauptsächlich in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Südtirol und Italien.

Jutta Pletzer & Sara EisenkrämerMehr über unser Team
// get in touch

Manchmal beginnt eine gute Entscheidung mit einem Gespräch.

Sie beschäftigen sich mit Fragen zur Studienwahl, zum Studium im Ausland oder zu Ihrer beruflichen Zukunft? Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen.

Persönlich im Servitenviertel, 1090 Wien, oder online.

MÜLLNERGASSE 15 / TOP 6 · 1090 WIEN

ANFRAGE SENDEN
TERMIN ANFRAGEN
EDU:CONNECT – STUDIEN- UND KARRIEREBERATUNG · SHAPE YOUR FUTURE.